© Rafael Castellanos und Silvio Escudero

Und jetzt?

Veröffentlich: Okt 26 , 2016
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Vor ein paar Woche hat uns ein Referendum in Kolumbien überrascht. Die Kolumbianer sollten über folgende Frage abstimmen: „Unterstützen Sie die Maßnahmen zur Beendigung des Konflikts und zur Bildung eines langfristigen und stabilen Friedens?“. Diese Frage bezog sich auf ein Abkommen zwischen der kolumbianische Regierung und der FARC (der wohl ältesten Guerillaeinheit im ganzen Land). Die Einigung sollte einen 52 Jahre währenden Konflikt beenden, der Tausende Tote und vertriebene Zivilisten zur Folge hatte. Ungeachtet der Folgen für die soziale und ökonomische Entwicklung des Landes.

Als Antwort konnte man JA oder NEIN wählen. Zu aller Überraschung votierten die Kolumbianer zu 50,21% mit NEIN. Auch überraschend, dass 6 von 10 Wahlberechtigten diesen, für das ganze Land wichtigen und entscheidenden Moment gar nicht wahrnahmen.

Das Referendum sollte einen langjährigen Verhandlungsprozess beenden, es sollte die Bestätigung sein, dass die beiden Parteien sich endlich geeinigt hatten. Uns interessiert auch nicht, ob das Ergebnis gut oder schlecht war, vielmehr wollen wir den Verhandlungsprozess untersuchen und überlegen, welche Folgen er für die beiden Parteien hat.

Es handelte sich um eine bilaterale Verhandlung zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC. Aber, war sie wirklich bilateral? Als Verhandlungsführer stellt sich für uns die wichtige Frage „was wollen wir mit einer Verhandlung erreichen?“ Welches Ergebnis erwarten wir, bzw. welche Ziele sollen erreicht werden? Als die Parteien dies geklärt hatten, einzeln oder zusammen, war ihnen da nicht bewusst, dass man die Zustimmung der Öffentlichkeit brauchte, um das Verhandlungsergebnis umzusetzen? In bilateralen oder multilateralen Verhandlungen sollte man alle Beteiligten berücksichtigen, wenn man seine Ziele erreichen will.

Und jetzt? Die Parteien haben zwei Möglichkeiten, entweder blockieren oder verhandeln. Beide Optionen verursachen Kosten, die man im Vorfeld untersuchen sollte. Ein geschickter Verhandler wird die Kosten der beiden Szenarien nicht nur für sich, sondern auch für seine Gegenspieler ermitteln, bevor er eine Entscheidung trifft. Die Zeit für Machtspiele ist vorbei. Besser ist verhandeln, und dabei die Kosten und Interessen aller Parteien berücksichtigen.

Eine wichtige Nachricht für alle Leser dieses Blogs. In Verhandlungen können selten alle Beteiligten 100% ihrer Ziele verwirklichen. Verhandeln ist ein Kompromiss, in dem Geben und Nehmen immer zusammen gehören. Verhandeln ist ein Tauschgeschäft.

 

Geschrieben von Rafael Castellanos und Silvio Escudero


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