Streitigkeiten verhandeln

Veröffentlich: Apr 07 , 2016
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Das Wunderbare am Verhandeln ist, dass es uns – mit unterschiedlichen Hintergründen und gegensätzlichen Positionen – befähigt, eine Einigung zu erzielen; zum gegenseitigen, langfristigen Vorteil. Selbst, wenn man nicht mit einem Abschluss einverstanden ist, kann ein Geschäft zustande kommen. Die Parteien können einzelne Streitigkeiten eventuell vernachlässigen, wenn das Gesamtgeschäft stimmt.

Interessanterweise erfolgt die Verhandlung oft erst dann, wenn ein Konflikt durch andere Konfliktlösungen nicht bereinigt werden konnte. Als der I. Weltkrieg 1918 endete, setzten die Siegermächte solch drakonische Bedingungen fest, dass vielfach davon ausgegangen wird, der II. Weltkrieg sei eine direkt Folge davon gewesen. Demnach hätten die Sieger ihren Willen aufgezwungen (was aus ihrer Sicht durchaus berechtigt war), allerdings zum Nachteil eines langfristigen Friedens. Die Wirtschaft am Boden; entrechtete, unterdrückte Menschen; galoppierende Inflation – das war die Saat für den Aufstieg Adolf Hitlers und seiner Bande. Und man sollte nicht vergessen, sie wurden 1933 demokratisch gewählt (wenn auch als Minderheitenregierung). Sie sicherten sich 43,9% der Stimmen. Sobald die Öffentlichkeit sie ermächtigte, war es allerdings vorbei mit der Demokratie – bis nach dem II. Weltkrieg.

Die Friedensverhandlungen nach dem II. Weltkrieg waren durch etwas mehr Menschlichkeit geprägt und Deutschland wurde alles Nötige überlassen, um wirtschaftlich überleben zu können und letztendlich zu einer politischen Macht zu reifen.

Wenn die Menschen entrechtet und unterdrückt werden, werden sie sich erheben – es braucht nur einen Anlass dafür. Die derzeitige Welle des Terrorismus in Europa richtet ihren Hass auf die westlichen Demokratien. Sie steht für, und rechtfertigt sich durch eine fanatische Auslegung des Islam, die selbst die meisten Muslime nicht verstehen. Es entsteht ein gedankenloses und um ehrlich zu sein ziemlich dummes Verständnis einiger „Nationalisten“, die auf alles einschlagen, was sie als „anders“ erachten – sei es Religion, Hautfarbe oder tatsächlich Nationalität. Diese Primaten würden gern die Leitung an sich reißen. Gott sei Dank haben sie es bisher nicht geschafft.

Wenn Sie heute die Südküste der USA betrachten, sehen Sie zwei Länder, Kuba und USA, die fast 50 Jahre nicht miteinander gesprochen haben. Sie haben ein komplett unterschiedliches Verständnis davon, was man „Menschenrechte“ nennt. Die Kubaner verweigern den Amerikanern jedes Recht über Menschenrechte zu sprechen, solange sie in Guantanamo ein Gefängnis unterhalten. Die Amerikaner sehen sich als die freie Welt. Was ist also passiert? Wirtschaftliche Notwendigkeiten; politische Gegebenheiten! Das Fehlen jeder Kommunikation hat letztendlich beide Seiten verstehen lassen, dass „Palavern besser als Prügeln“ ist, wie schon Churchill auf einem Empfang im Weißen Haus 1954 gesagt haben soll.

Keine Seite will der Verlierer sein, also scheint eine Verhandlung die beste Vorgehensweise zu sein. Der Versuch, die andere Seite zu überzeugen, sie sei auf dem Holzweg, ist sinnlos. Wer seinen Willen durchsetzen will, müsste die Anderen zwingen nachzugeben. Besser ist es, zu überlegen wie man die anstehenden Probleme lösen kann und dann eine langfristige Zusammenarbeit zu verhandeln.

Das ist oft schwierig, weil man sich die Differenzen eingestehen muss, und am Ende auch vergeben und vergessen muss. In Nordirland gibt es gelegentlich Widerstand von jenen, die es nicht können. Aber insgesamt geht es dem Land weit besser als noch vor 30 Jahren. Syrien, Afghanistan, Irak, Iran müssen alle noch durch diesen schmerzhaften Prozess. Genau so wie die jeweiligen Gegenspieler. Probleme ansprechen und langfristige Lösungen verhandeln würde Hoffnung versprechen.

Und wie steht es mit der Religion als Ausrede? Katholiken, Protestanten, Schiiten, Sunniten und der ganze Rest. Macht was ihr wollt, aber hört auf, uns mit eurem Unsinn zu belästigen. Hört auf, uns euren Weg aufzwingen zu wollen. Das könnte der Anlass für einen weiteren Blog sein…

Geschrieben von Robin Copland

 

 

Streitigkeiten verhandeln II. Teil

„Das Wunderbare am Verhandeln ist, dass es uns – mit unterschiedlichen Hintergründen und gegensätzlichen Positionen – befähigt, eine Einigung zu erzielen; zum gegenseitigen, langfristigen Vorteil. Selbst, wenn man nicht mit einem Abschluss einverstanden ist, kann ein Geschäft zustande kommen. Die Parteien können einzelne Streitigkeiten eventuell vernachlässigen, wenn das Gesamtgeschäft stimmt.“

Dies habe ich letzte Woche geschrieben, aber als ich den Beitrag beendete, fiel mir auf, dass die wohl schwierigsten Verhandlungen immer dann statt finden, wenn man gegen „Überzeugungen“ ankämpfen muss (abgesehen von Gehaltsverhandlungen, oder wenn man die Position des Anderen zu gut versteht). Und ich meine hier nicht Religionen, obwohl sie das beste Beispiel sind.

Es ist äußerst schwierig mit Leuten zu verhandeln, die ihrer Meinung so sicher sind, dass Sie sich verpflichtet fühlen, sie uns aufzuzwingen – oder es wird Konsequenzen haben.

In Schottland gibt es die „Wee Frees“, eine extrem religiöse Abspaltung, der die verknöcherte protestantische Kirche Schottlands nicht weit genug geht. Der Sabbat muss eingehalten werden, was ja nicht schlecht wäre, zumindest solange ich nicht gezwungen werde, mich daran zu halten. Es ist gerada mal 10 Jahre her, dass die nationale Fährgesellschaft, CalMac plante, sonntags zwischen Stornoway, Isle of Lewis und Ullapool auf dem Festland zu verkehren. Wäre es für die streng Gläubigen nicht einfacher gewesen, die Sonntagsfähre einfach nicht zu nutzen und den Rest von uns damit in Ruhe zu lassen? Warum wollten sie uns ihren Willen aufzwingen?

Sie werden natürlich eine andere Position vertreten: warum sollten sie an ihrem Sonntag den Lärm ertragen, den die Fähre macht?

In den USA (ein Land, dass ich sehr gern mag) fragt man sich jenseits der Grenzen, welcher Zusammenhang wohl zwischen der Anzahl an Waffen in Privatbesitz und der Anzahl an Schießereien und Massakern (fast in wöchentlichem Abstand) besteht. Ist das so schwer zu kapieren? Die NRA (National Rifle Association) besteht ungeniert darauf, dass kein Zusammenhang besteht. Das ist ein klassischer Fall von blindem Glauben und dem Verschließen vor der Wahrheit.

Und dann gibt es die typischerweise jungen Menschen, die aus vollem Herzen glauben, dass Selbstmordattentate eine gute Sache sind, und dass Gott sie im Jenseits dafür belohnen wird, wenn sie Ungläubige töten.

Wie verhandelt man also mit Menschen, die solch extremen Positionen anhängen? Meistens ist die Antwort, gar nicht! Verhandeln ist eine Prozess des Austauschens, ein Geben und Nehmen. Wenn kein Austausch statt findet, ist es keine Verhandlung. Die Wahrheit also ist, man kann mit Fanatikern nicht verhandeln. Man muss sich an die vernünftigen, gemäßigten Leute im Hintergrund wenden. Nur mit ihnen kann man verhandeln und verlässliche Vereinbarungen treffen.

 

Geschrieben von Robin Copland

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