Offenheit

Veröffentlich: Mai 03 , 2016
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Ich sitze gerade am Krankenhausbett einer älteren Verwandten, die sich letzte Woche die Hüfte gebrochen hatte. Heute, am Dienstag, ist in dieser Woche der erster Streiktag der Assistenzärzte.

Die Station funktioniert normal, soweit ich beur kann. Die Belegschaft ist vollzählig, aber interessanterweise tauchen vor allem ältere Ärzte in kleinen Dreier- oder Vierergruppen auf, vermutlich aus Sicherheitsgründen. Es gab bei meiner Ankunft keine Streikposten und es war genauso schwierig einen Parkplatz zu finden wie immer. Die Ambulanz arbeitet also wie gewöhnlich.

Die Versorgung ist sehr gut und meiner laienhaften Meinung nach gibt es genug Personal auf den Stationen. Nun, ich komme seit letzten Donnerstag jeden Tag ins Krankenhaus und es gab keinen Unterschied im Tagesablauf, nicht mal am Wochenende. Natürlich waren der Empfangsbereich und die Parkplätze dann etwas ruhiger, einfach weil es weniger ambulante Patienten gab, aber für die stationären Patienten gab es keine Abstriche in der staatlichen Gesundheitsversorgung.

Die Rhetorik beider Seiten des Ärztestreiks erinnert mich an die Wortwahl während des EU-Referendums. Die Sprache ist schwülstig, die Versprechen, die Erwartungen, die Drohungen und die Bedenken sind aufgeblasen und die objektive Qualität der „Fakten“ lässt zu wünschen übrig. Alles so wie immer, aber wir bilden unsere Meinung aus dem, was wir sehen und hören, und da helfen verzerrte Darstellungen wenig.

Der Streit der Assistenzärzte kann nur zu einer befriedigenden Lösung führen, wenn die Parteien sich auf etwas einigen, was den Beifall desjenigen erhält, der den Service nutzen und dafür bezahlen müssen – also der englischen Öffentlichkeit – weil beide Parteien deren Unterstützung benötigen. Aber die Öffentlichkeit wird immer skeptischer und der Täuschungen und Übertreibungen überdrüssig, und es scheint so, als ob die Strategien kontraproduktiv seien. Die Ärzte, vertreten durch den britischen Ärzteverband, behaupten, dass die Streiks notwendig sind um den Service-Standard zu halten. Die Regierung behauptet, dass der Streik nur dazu diene, die Dienstleistungen am Wochenende zu verteuern. Natürlich sind das Gründe, aber wir, die Öffentlichkeit, wissen alle, dass man versucht uns zu täuschen. Wahrscheinlich täuschen sie sich auch selbst – denn letztendlich geht es um Geld. Woher ich das weiß? Würde die Regierung mehr Geld zugestehen um die Bezahlung an Samstagen zu verbessern, würde der Ärzteverband einlenken. Das hat er tatsächlich so zugestanden.

Die Verhandler im öffentlichen Bereich vertrauen darauf, die Meinung durch ihre Öffentlichkeitsarbeit beeinflussen zu können. Sie sollten sich bewusst werden, dass wir ihre Halbwahrheiten zunehmend durchschauen. Etwas mehr Offenheit würde es uns erleichtern, den Beteiligten zu glauben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dadurch mehr Akzeptanz, anstatt der jetzigen Ablehnung in der öffentlichen Meinung erzielt würde. Und das wiederum würde alle zu schnelleren und besseren Vereinbarungen anspornen.

 

Geschrieben von Stephen White


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