Zeit ist Geld

Veröffentlich: Nov 05 , 2015
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Die Aktivitäten von Tesco (größte Handelskette in UK, international tätig) in den letzten Monaten sind sehr interessant. Es wurden neue Richtlinien herausgegeben, wie mit den Zulieferern zu verfahren ist. Durch ein darauf folgendes Gutachten wurde Island in der Bewertung herabgestuft (es ist ja auch sehr kalt dort).

Für alle aus dem Umfeld war dieses Vorgehen kaum eine Überraschung und um ehrlich zu sein, Tesco verhält sich nicht schlimmer als die anderen großen Supermarktketten. Sie scheinen alle gehen davon auszugehen, dass sie aus ihrer Machtposition heraus Zulieferer nach Gutdünken heuern und feuern können. Aber dreht sich nun der Wind?

Auf der letzten Konferenz des britischen Lebensmittel-Einzelhandels-Verbands IGD kündigte Tesco an, die Zahlungsziele für seine kleinen Lieferanten um die Hälfte zu kürzen. Eine neue Ära von „Transparenz & Fairness“ solle eingeleitet werden. Zwei Wörter, die von den Lieferanten bisher kaum mit Tesco in Verbindung gebracht wurden.

Die kleinsten Lieferanten (weniger als 100.000 £ Umsatz pro Jahr) werden nun innerhalb von 14 Tagen bezahlt, was laut Tesco der Hälfte des branchenüblichen Standards von 28 Tagen entspricht.

Lieferanten zwischen 100.000 £ und 10 Millionen £ werden, je nach Kategorie 5 Tage früher bezahlt als üblich.

Produkt Kategorie

Tesco’s standard Zahlungsziel für Lieferanten

Tesco’s neues Zahlungsziel für Lieferanten mit weniger als £1.000.000 Umsatz

Tesco’s neues Zahlungsziel für Lieferanten mit weniger als £100,000 Umsatz

Obst, Vegatirisch, Fleisch, Fisch & Geflügel

28

23

14

Gekühlt, Convenience, Tiefkühl und Tiernahrung

35

30

14

Milchprodukte

40

35

14

Backwaren, Haushalt, Gesundheit & Beauty

45

40

14

Wein, Bier & Spirituosen

60

55

14

Kleidung & Handelswaren

60

55

14

Kleidung & Handelswaren aus “Übersee”

90

Not revealed

Not revealed

Waren nicht für den Wiederverkaus

45

Not revealed

14

 

 

Hier wird die Variable Zeit clever genutzt. Ursprünglich um unterschiedliche Wertvorstellungen zu berücksichtigen, denn kleine Lieferanten legen großen Wert auf schnellen Cash Flow. Im weiteren Sinn ist man vergleichsweise besser als der Branchenstandard und zu guter Letzt werden verderbliche Waren schneller bezahlt als Unverderbliche.

Warum dieses scheinbar selbstlose Verhalten? Wie es aussieht, kosten diese Veränderungen Tesco zusätzliche 230 Millionen £. Im Februar darauf informierte Tesco seine Lieferanten per E-Mail, dass Preisreduktionen erwartet würden; aufgrund der zugebilligten Einsparungen im Konsumgütermarkt. Verbunden damit war die Drohung, Produkte auszulisten. Falls die Lieferanten nicht zustimmten hätte das unmittelbare, negative Auswirkungen für die Industrie.

Handelt es sich hier wirklich um eine notwendige Reaktion? Ist jetzt erst der Groschen gefallen? Hatten Sie eine späte Erleuchtung? Hat Tesco erkannt, dass Verhandlungen mit einem kooperativ gestimmten Verhandlungspartner leichter sind als mit einem Kontroversen? Oder war es nur eine Marketingmaßnahme? Keiner weiß es. Die Zyniker werden „Foul“ schreien und die Optimisten abwiegeln.

Tatsächlich erhalten die Lieferanten einen schnelleren Cash Flow und Tesco kann sein Gesicht waren. Aber war das alles? Es steckt vielleicht eine andere Absicht dahinter: Der Vorsitzende von Tesco, Dave Lewis erklärte „Wir wollen im Interesse unserer Kunden mit unseren Lieferanten neue Wege gehen, und diese Neuerungen dienen dazu.“ Meine Vermutung ist, dass diese „Neuerungen“ ein strategischer Köder waren um die eigentlichen Interessen durchzusetzen. Wenn’s funktioniert, dann ist es ein wirkungsvolles Geben um zu bekommen.

Geschrieben von Tom Feinson


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