Richtig kommuniziert?

Veröffentlich: Jul 09 , 2015
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Der österreichische Psychoanalytiker Paul Watzlawick hat maßgeblich dazu beigetragen, die menschliche Kommunikation besser zu verstehen. Als Vertreter der Palo Alto School wendete er sich von der (damals) klassischen Psychoanalyse ab und erklärte Störungen in der Kommunikation als menschliche Konflikte innerhalb eines Beziehungssystems.

Wie wir alle wissen, kann Kommunikation schwierig sein. Unterschiedliche Sichtweisen, Missverständnisse und vor allem differierende Interessen tragen dazu bei. Umso wichtiger scheint es, den oder die Anderen (in unserem Beziehungssystem) besser kennen zu lernen. Zu diesem Zweck hat Watzlawick in der Palo Alto School bereits 1967 fünf Axiome veröffentlicht.

Axiom 1 – Man kann nicht nicht kommunizieren.

Abgesehen von verbaler Kommunikation, vermittelt jede Aktion unseres Körpers eine Information. Arme, Mund, Augen, jeder von uns kann leicht erkennen ob man uns wohlgesonnen ist oder nicht. Selbst vermeintliche Nichtaktionen, wenn etwa eine Frage ignoriert wird, oder eine Geste nicht beachtet wird, sind eine (eindeutige?) Reaktion.

Axiom 2 – Inhalt und Beziehung

WAS soll in einer Nachricht übermittelt werden, WIE wird sie übermittelt und WIE soll sie verstanden werden. Das WAS ist der rein objektive Inhalt („Ein Ball ist rund.“). Wichtiger für die Kommunikation ist aber der Beziehungsinhalt. Wie wird etwas gesagt („… wann kapierst du das endlich?“). Und nicht zuletzt, wie soll es interpretiert werden (… das wirst du nie verstehen!“). Gesten, Mimik und Tonfall beeinflussen, wie etwas verstanden wird. Wenn die Kommunikation funktioniert, sind sich beide Seiten über den Inhalt und ihre Beziehung einig. Wir sollten uns darüber klar sein, dass wir mit jedem Menschen unterschiedlich kommunizieren. Die gleiche Aussage kann sehr wohlwollend oder sehr abweisend sein.

Axiom 3 – Interpunktion

Wir alle reflektieren auf das Verhalten der anderen Seite. Unser Verhalten ist eine Reaktion auf das, was wir beim Anderen zu erkennen glauben. Im Positiven und im Negativen. Wer ergründen möchte, wo ein Streit begonnen hat, wird nur schwer eine Urursache finden. Kommunikation ist ein kontinuierlicher Prozess und jedes Verhalten hat seinen Grund. Und der hat wieder seinen Grund. Ein Ausweg kann nur gefunden werden, wenn man es schafft, die eigene Perspektive zu wechseln, d.h sich in die andere Person hinein zu versetzen.

Axiom 4 – Digital und analog

Was wird gesagt und welche Signale werden dabei übermittelt? Alles Gesprochene und universell Verstehbare, wie etwa ein Lächeln, ist digital. Analoge Elemente sind meist nonverbal. Eine digitale Aussage „Ein Ball ist rund“ wird möglicherweise mit einer beschreibenden analogen Geste untermalt. Beschreiben die Hände dabei einen Kreis, stimmt die  Kommunikation. Wenn aber ein Rechteck in die Luft gemalt wird, ist der Andere irritiert. Dann widersprechen sich digitale und analoge Kommunikation und man kann die Lüge „an der Nasenspitze“ ablesen.

Axiom 5 – Symmetrisch oder komplementär

Symmetrische Kommunikation, auf Augenhöhe, findet unter gleichgestellten Personen statt. Störungen treten dann auf, wenn jeder den Anderen zu übertreffen sucht. Eine komplementäre Kommunikation ist demzufolge in einem Statusgefälle oder in einer hierarchischen Situation zu finden. Hier kommt es zu einer komplementären Trennung, wenn beide Seiten ihre unterschiedlichen Positionen betonen.

Es ist nicht schwer, unsere Verhandlungspartner zu verstehen. Zumindest was die Sprache betrifft. Schwieriger ist es zu verstehen, was sie wirklich meinen. Verstehen wir die Ansätze ihrer Kommunikation? Können wir erkennen, wenn unsere Beziehung gestört ist, und noch wichtiger, können wir benennen woran es liegt? Der Schlüssel einer gelungenen Beziehung liegt in einer funktionierenden Kommunikation. Und die steht und fällt mit unserer Bereitschaft, zuzuhören und zu verstehen.

Wo wären wir ohne Watzlawick?

 

Geschrieben von Angus MacTire


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