Jedem das Seine

Veröffentlich: Feb 17 , 2015
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Manchmal versteht man nicht, wo das Problem liegt. Das wird auch dem alten und neuen Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz nicht unbekannt sein. Vor allem jetzt, weil er am letzte Wochenende die absolute Mehrheit verpasst hat und auf einen Koalitionspartner angewiesen ist. 5 Kandidaten zwischen 5,5% und 16% stehen zur Verfügung. Als konstruktive Opposition haben sich schon die CDU, Die Linke und die AfD geoutet. Eine gebeutelte CDU, die vor allem nach Selbstvertrauen ringt. Eine Linke, die nach wie vor darauf besteht, links von links sein zu wollen und eine AfD, die statt der kostenlosen Gulaschsuppe mit Kartoffelsalat von jedem Parteimitglied eine Spende in Höhe von 10€ für die Wahlparty verlangt hat.

Mögliche Koalitionspartner sind also noch Die Grünen und die FDP. Den Grünen liegt laut der Debatte nach der Wahl offensichtlich viel an der Zuwanderungspolitik, und die FDP freut sich erst mal über ihre breiten Schultern von sage und schreibe 7,4%.Jeder sieht die Zukunft Hamburgs aus seiner Sicht. Vielleicht täte der Bürgermeister gut daran, zu verstehen, was seine möglichen Koalitionspartner wirklich bewegt.

Zum Thema  ”gut zuhören” und die richtigen Schlüsse daraus ziehen, eine kleine Geschichte von meinem Bekannten Norbert. Norbert kommt aus dem Osten. Jetzt lebt er in Hessen. Einmal im Jahr besucht er seine Mutter in Dresden. Dresden hat viel zu bieten, die Semperoper, den Zwinger, die Frauenkirche. Und nicht zuletzt den berühmten Dresdener Christstollen. Und der ist, obwohl sehr teuer, immerhin kostet er fast 16€, in Norberts neuer Heimat sehr beliebt. Also hat er auf seinen Jahresausflügen auch immer eine Bestellliste von Freunden und Bekannten dabei.

Im letzten Jahr waren es 4 Stollen, die daheim sehnsüchtig erwartet wurden. Es kam der Tag der Rückreise und er besuchte eine einschlägige Bäckerei. Zunächst war er etwas verwirrt, dass die Pappschachteln für die Stollen 4 € extra kosten sollten. Aber na gut, was soll’s, sieht ja auch besser aus. Als aber die Verkäuferin, die 4 Schachteln samt Stollen in einen „Plastebeutel“ (Plastiktüte, Anm. der Red.) stopfen wollte, wurde es skurril. Auch ohne Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin war zu erkennen, dass die Tüte für alle 4 Stollen zu klein war.

Sein Hinweis, er müsse die Tüte durch ganz Dresden tragen, und da wäre es angenehmer, wenn er zwei Tüten mit jeweils zwei Stollen bekäme, traf auf heftigen Widerstand. Die Verkäuferin versicherte mit Nachdruck (leider liegt uns kein O-Ton vor), pro Einkauf dürfe sie nur eine Tüte mitgeben. Wenn er eine zusätzliche Tüte verlange, koste ihn dass noch Mal 1€. Jetzt wird es verhandlungstechnisch interessant. Zunächst musste sich Norbert von seiner Verblüffung erholen. Den aufkommenden Lachzwang bekam er Dank seiner Selbstbeherrschung in den Griff. Und dann benutzte er als rettende Idee die Technik des Verpackens. Mit ernstem Gesicht sagte er der Verkäuferin, es täte ihm sehr Leid, er müsse seinen Kauf leider stornieren. Stattdessen hätte er aber zwei Bestellungen über jeweils zwei Stollen. Jede Bestellung bitte in eine extra Tüte.

@Olaf Scholz: Gut zuhören hilft vielleicht beim Durchsetzen des Notwendigen.

 

Geschrieben von Ralf Oberpaul


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