Fernbus oder Bahnbus

Veröffentlich: Feb 24 , 2015
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Die Preisschlacht geht weiter. Seitdem Fernbusse die deutschen Autobahnen zwischen Hamburg und München, Berlin und Stuttgart oder Leipzig und Düsseldorf überschwemmen, tobt ein Preiskrieg. Unter die Anbieter hat sich mittlerweile auch  die Bahn gesellt. Die gleiche Bahn die mit ihren hohen Fahrpreisen bisher ein Monopol auf den Fernverkehr in Deutschland hatte.

Als der Fernbusverkehr in Deutschland am 1. Januar 2013 weitgehend liberalisiert wurde, hieß das für die Bahn, adé „teure“ Kundschaft. In Scharen wandert vor allem die jüngere Generation ab. Die Passagierzahl der Fernbuskonkurrenz hat sich 2014 nahezu verdoppelt. Das heißt für die Bahn ein Umsatzminus von etwa 120 Millionen Euro. Bis Mitte 2015 will Flixbus seine Auslandsverbindungen verzehnfachen. Tja, Konkurrenz belebt das Geschäft, und der Verbraucher freut sich.

Aber die Bahn zieht nach. Mit ihren Konzepten IC Bus und Berlinienbus versucht sie Marktanteile zurück zu erobern. Immerhin will sie bis Ende 2016 die Anzahl der Fernbusverbindungen vervierfachen.  Was wiederum André Schwämmlein, Geschäftsführer von Mein Fernbus/Flixbus, nicht besonders schmeckt. Die Bahn brächte damit keinen Zusatznutzen für die Reisenden und solle lieber „Ordnung in ihr Kerngeschäft auf der Schiene bringen“ anstatt privatwirtschaftliche Fernbusunternehmen als “Sündenbock für ihre eigene Misswirtschaft zu missbrauchen”.

Diese Idee ist bei näherer Betrachtung vielleicht gar nicht so ohne. Die Fahrt von München nach Hamburg kostet mit dem Fernbus im Schnitt 30€, bei ca. 10 Stunden Fahrzeit. Die Bahn braucht bei einer Direktverbindung nur 5 ½ Stunden. In ihrem unübersichtlichen Tarifdschungel finden sich auch Angebote für 29€ deutschlandweit, mit Voranmeldung – und für Vielreisende den Vorteil einer Bahncard. Wer es etwas großzügiger haben will, weiß die Vorteile eines offenen Abteils mit Stromversorgung sehr wohl zu schätzen. Und die Versorgung im Bistroabteil ist auch nicht zu verachten.

Zudem beutet die Bahn ihr Personal nicht aus, auch wenn die GDL anderer Meinung ist, wie die neuerlichen Streikvorhaben beweisen. Das Bahnpersonal gehört nicht zu den Geringverdienern. Die Fahrer der Fernbusunternehmen reiten zu weit schlechteren Konditionen durch die Republik. Noch.

Vielleicht sollte man auf Seiten der Bahn den Vorschlag des Herrn Schwämmlein beherzigen und sich wieder auf die eigenen Stärken besinnen. Flexibilität hin oder her. Man muss nicht alles mitmachen. Auch wenn der für den Personenverkehr verantwortliche Bahn-Vorstand Ulrich Homburg meint, “Wir können den Fernbusmarkt nicht einfach links liegen lassen”. Hat er berücksichtigt, dass er damit sein Kernunternehmen, die Bahn kanibalisiert? Wäre es nicht besser, den Billigbussen ihr Glück zu gönnen und ein friedfertiges Nebeneinander anzustreben? Ist sich die Bahn der eigenen Vorteile bewusst? Ein klares Profil hilft, sich zu positionieren. Und selbstbewusstes Auftreten wiederum bringt Profil.

Die Verbraucher werden es honorieren.

 

Geschrieben von Ralf Oberpaul


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