Billigsprit

Veröffentlich: Mrz 03 , 2015
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Morgens 1,32€ und abends 1,16€. Im März 2015. Der Dieselpreis an den deutschen Tankstellen schwankt jeden Tag um bis zu 20 Cent. Gleiches gilt für die anderen Benzinsorten. Eins ist doch jedem Autofahrer klar: Soweit möglich, wird erst am Nachmittag oder Abend getankt. Je später, desto niedriger der Preis. Erst am späten Abend klettern die Leuchtziffern an den Zapfsäulen wieder in schwindelerregende Höhen. Zwei Fragen tun sich hier auf. Wie konnte der Ölpreis in den letzten Monaten so stark sinken – sind wir doch an stetige Preiserhöhungen gewöhnt – und warum muss er im Stundenrhythmus schwanken?

Als Verbraucher hat man das ungute Gefühl, den Stimmungen der Ölkonzerne hilflos ausgeliefert zu sein. Schuld am dauernden Hin und Her sind wohl die amerikanischen Fracking-Vorhaben. So schädlich sie für die Umwelt sein werden, sie haben für die deutschen Autofahrer auch etwas Positives. Die OPEC lässt den Ölpreis und damit den Spritpreis ins Bodenlose fallen, um den Einsatz von Fracking-Technologie, so wie er in den USA praktiziert wird, unrentabel zu machen.

Aber das erklärt nicht die tagtäglichen Preisschwankungen. Der freie Wettbewerb im Ölhandel hat als Erklärung schon lange ausgedient. Was also haben die Ölkonzerne mit uns vor? Wollen Sie uns auf kommende Preiserhöhungen vorbereiten? Uns schon mal vorsorglich an teuren Sprit gewöhnen? Das wäre vielleicht eine plausible Erklärung. Dann könnten wir die Entscheidungen aus den oberen Etagen unserer Ölkonzerne nachvollziehen. Oder hofft man auf eine Art Quersubvention durch unaufmerksame Autofahrer, die vergessen haben am Vorabend zu tanken?

Natürlich freuen wir uns über niedrige Spritpreise. Und warten jeden Tag, bis sie auf ein interessantes Niveau gefallen sind. Morgens tanken wir erst wieder, wenn es keinen günstigeren Abendsprit mehr gibt. Dieses Muster zieht sich seit Wochen durch – ein Präzedenzfall.

Das Problem mit Präzedenzfällen ist, sie wieder los zu werden. Eine Baumarktkette mit dem Slogan „20% auf alles …“ kann ein Lied davon singen. Keiner hat mehr eingekauft, wenn es keinen 20%-Rabatt gab. Jetzt ist der Baumarkt Geschichte.

Wenn schon Präzedenzfall, dann sollte er, verhandlungstechnisch korrekt, an eine Bedingung geknüpft sein. Ein Zugeständnis gibt es nur für eine Gegenleistung. Sonst wird es für die nächste Verhandlung zum status quo.

Für die Ölkonzerne hieße das „Wenn Sie bereit sind, künftig wieder teure Kraftstoffe zu beziehen, können Sie bis auf Weiteres am Nachmittag billig tanken.“

 

Geschrieben von Ralf Oberpaul


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