Wer ist nun schuld?

Veröffentlich: Jul 23 , 2014
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Wenn unsere Unternehmen ihre Sache ernst nehmen, wird der Umfang ihrer Leistungen naturgemäß immer größer. Sie ermöglichen eine ungehinderte Anfahrt zu den Geschäften; sie erlauben den Lieferanten eine große Anlieferung anstelle vieler kleiner; die Marketingstrategien sind raffiniert und locken mehr und mehr Kunden durch ihre, manchmal elektronischen Tore.

Aus Sicht der Kunden liefern sie einen schillernden Komplettservice aus einer Hand, der Zeit, Ärger und Mühe spart. Sie bevölkern die grüne Wiese oder ehemalige Industrieflächen am Rande der Stadt mit vielen Parkplätzen und bieten merkwürdige Zusatznutzen, um die Einkaufserfahrung so erträglich wie möglich zu machen. Deshalb gibt es um jeden Tesco, Asda, Morrison, Sainsbury, Walmart oder Carrefour in direkter Nähe und wie mit einer Nabelschnur verbunden ein KFC, McDonalds, Taco Bell, WH Smith, Boots the Chemist und so weiter, und so weiter.

Bequem, einfach und in völliger Übereinstimmung mit unserer schnelllebigen, konsumgesteuerten, faulen Gesellschaft. Allerdings sind unsere verlassenen Stadtzentren mittlerweile von Unkraut überwuchert, und wir alle beklagen, dass unsere Einkaufsmöglichkeiten nicht mehr so vielfältig wie früher sind.

Und ganz ehrlich liebe Leser, Sie sind selbst schuld.

Nicht Sie persönlich, versteht sich. Wir alle teilen uns die Schuld, denn wir haben zugelassen, dass der Handel bestimmt, wo es lang geht. Er bestimmt, was wir kaufen wollen. Er betreibt Marktforschung und bringt die perfekt geformte Karotte hervor; wir erlauben, dass wir als Clubmitglieder rekrutiert werden. Ich würde meiner Regierung niemals erlauben, mich mit einem Identitätsausweis auszustatten, weil ich viel zu viel Angst vor einem Big Brother hätte, bin aber gern bereit alle meine persönlichen Daten jedem Lebensmittelladen zu überlassen. Nur um 1€-Cent pro 20€-Rechnung von jedem meiner mittlerweile überteuerten Einkäufe zu erhalten. Das ist der Witz des Tages.

Und, wie gesagt, es ist alles Ihr Fehler.

Die Lieferanten beschweren sich, dass sie nur schwer Zugang in die Märkte bekommen. Sie wettern gegen die aufgezwungenen Liefer- und Zahlungsbedingungen, die mehr und mehr dazu führen, dass der Handel das Geld der Konsumenten einkassiert, es in seiner meist eigenen Bank hortet, aber andererseits nach Kredit schreit und Zahlungen an die Lieferanten hinaus zögert. Die Waren wurden produziert und dafür mussten die Lieferanten Zahlungen leisten aber sie sollen erst wie vielen Tage Kredit gewähren bevor ihnen erlaubt wird die Märkte zu betreten und die Regale zu füllen.

Das Gleiche passiert in der langsam verschwindenden Bücherwelt. Warum sollte man ein Buch in der Buchhandlung kaufen, wenn man es viel leichter im Internet kaufen kann? Warum also? Man braucht keinen Zwischenhandel, die Buchhändler sind überflüssig. Ab auf die grüne Wiese, mit dem Unterschied, dass diesmal der lästige Kunde nicht in die Nähe der Produkte gelassen wird. Zeigt ihm nur ein paar Bilder und erzählt ihm wie gut sie sind. Noch besser, erfindet ein elektronisches Lesegerät, usw. usw.

Im Guardian vom 25. Juni 2014 schrieb Alison Flood, früher Editor des Buchhändler Magazines (hab ich schon erwähnt, dass elektronische Nachrichtenmagazine die Buchhändler überflüssig machen) über die dicke Luft zwischen den Buchhändlern und Amazon. Amazon zwingt die Herausgeber angeblich neue Wege zu beschreiten. Die Buchhändler berichten, dass es Gerüchte gäbe, wonach Amazon berechtigt wäre, Bücher, die nicht mehr vorrätig wären, durch eigene Print-On-Demand Produkte zu ersetzen. Und dass die Bücher zu keinem geringeren Preis als dem von Amazon festgelegten, verkauft werden dürften.

Entschuldigung? Lesen Sie das bitte noch einmal!

Die simple Wahrheit ist folgende. Wenn Sie einer Partei erlauben die Machtbalance zu sehr auf die eigene Seite zu ziehen, dann wird sie diese Position ausnutzen. Und sie wird davon ausgehen, dass die eigenen Bedürfnisse  nur recht und billig sind.

Was kann man daraus lernen? Früher glaubten wir an einen „Gewährleistungsausschluss“. Heute müsste es besser ein „Schutzanspruch für Kunden und Lieferanten“ sein.

Aber wie gesagt, es ist unsere eigene Schuld.

 

Geschrieben von Robin Copland


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