© Verzwicktes Spiel

Veröffentlich: Aug 23 , 2014
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Letzte Woche wurde der diesjährige Wirtschafts-Nobelpreis an Professor Jean Tirole, für seine Analyse über die Regulierung der Märkte vergeben. Professor Tirole wurde vor allem durch seine Arbeit über die Spiel-Theorie bekannt. Sein Buch (zusammen mit Drew Fudenberg) mit dem Titel Spieltheorie ist keine leichte Kost. Dichtgepackt mit mathematischen Gleichungen versucht es das Verhalten von Marktteilnehmern zu erklären – abhängig von deren Einschätzung wie ihre Kunden, Lieferanten und Wettbewerber zukünftig reagieren werden. Schon das erste Beispiel im Buch über eine Kuchenfabrik, die anhand der Spieltheorie einen Zielpreis für nur einen einzigen Tag festlegen will, würde so manchen überfordern.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Nobelpreis gerade zu der Zeit an Tirole vergeben wurde, als ein sehr großes britisches Unternehmen, die Supermarktkette Tesco, Gegenwind seitens seiner Investoren und der Regulierungsbehörde verspürt. Es hat sich herausgestellt, dass der Jahresgewinn um fast eine viertel Milliarde GBP zu hoch angesetzt war. Das Problem liegt in der Bilanzierung der Lieferantenforderungen. Sie weisen neben Zahlungen für Lieferungen auch Zahlungen für Verkaufsaktionen, die über die Jahre immer verwickelter wurden, aus. Ist es nur ein Zufall, dass diese Entdeckung nur wenige Wochen nach der Ernennung von David Lewis als neuem CEO von Tesco, gemacht wurde? Lewis war vorher ein leitender Angestellter von Unilever, einem Hauptlieferanten von Tesco, der unter vielen Markenprodukten auch Walls Eiscreme liefert, die oft zu Kuchen gereicht wird. Vielleicht wusste er genau, wo er suchen muss.

Tesco steckt sehr wahrscheinlich nicht allein in dieser Zwickmühle – andere britische Supermarktriesen und vielleicht Handelsunternehmen weltweit könnten ähnliche Konstruktionen mit ihren Lieferanten und damit eine ähnliche Bilanzierung haben. Der Fehler in diesem System ist die fehlende Regulierung der Käufer- und Verkäuferbeziehungen. Bedauerlicherweise betrifft das vor allem das Ungleichgewicht zwischen den Supermärkten und den Produzenten landwirtschaftlicher Güter. Aber auch zwischen zwei gleichstarken Partnern, wie etwa großen Supermärkten und Markenartiklern trifft es zu. Dort wo die Marktteilnehmer keine effektiven Regelungen finden können, ist die Politik gefragt, obwohl sie bisher nicht sehr viel bewirkt hat.

Ich glaube sie sollten alle Professor Tiroles Buch lesen. Es muss gut sein – sein Nobelpreis hat einen Wert von USD 1 Million

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Geschrieben von Stephen White


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