Raffinierte Pläne

Veröffentlich: Jun 12 , 2014
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Bis gestern war ich der Meinung, das Übernahmeangebot des US Pharma-Giganten Pfizer für den britischen Giganten AstraZeneca sei ein opportunistischer Schnellschuss. Der Plan wurde Anfang Mai bekannt, als ein Angebot von 50 GBP pro Aktie auf dem Tisch lag. Aus dieser Fusion wäre das weltweit größte Pharmaunternehmen hervor gegangen. Dafür waren zwei Voraussetzungen maßgebend. Erstens, weil AstraZeneca durch das Auslaufen einiger Patente für hochprofitable Medikamente und keine guten Nachrichten aus der F&E-Abteilung  zunehmend schwächer wurde. Und zweitens, weil Pfizer die Möglichkeit geboten wurde ihr Hauptquartier nach UK zu verlegen, wo sie durch einen Steuertrick riesige Mengen an Steuern sparen könnten.

Nach allem was ich aus der Presse wusste, war ich der Meinung, Pfizer müsse die publizierte Übernahme auch durchziehen. Aber AstraZeneca stand der Übernahme feindlich gegenüber, die britische Regierung war ablehnend, weil sie den Versprechungen der Big Bosse von Pfizer bezüglich des Erhaltes von Arbeitsplätzen nicht glaubte, und die US-Regierung protestierte lautstark gegen die Steuertrickserei. Pfizer jedoch verfolgte weiterhin seine Beute und machte erst ein verbessertes Angebot von 53,50 GBP pro Aktie, später eins von 55 GBP und bewertete AstraZeneca damit mit mehr als 100 Milliarden Dollars. Das Angebot wurde von der AstraZeneca-Führung nach nur 2 Stunden abgelehnt. Und das war’s.

Dann las ich einen Reutersbericht von Ben Hirschler, der meine Meinung gründlich änderte. Den Bericht können Sie hier lesen. Pfizer hatte die Übernahme nicht erst seit kurzem geplant, sondern schon im November, vor 7 Monaten Kontakt zum oberen Management von AstraZeneca aufgenommen. Es war also kein Schnellschuss sondern eine wohldurchdachte Aktion. Und als AstraZeneca die Absicht erkannte, hatten sie Monate Zeit für ihre Verteidigungsstrategie. Im Januar erfolgte eine unerwartet optimistische Umsatzerwartung, die den Aktienwert steigerte und damit das Unternehmen verteuerte.

Vom Verhandlungsstandpunkt aus wäre es interessant zu wissen ob die Strategie von Pfizer, zweifelsohne von hyperintelligenten Beratern entwickelt, nicht ein Schuss in den Ofen war. Natürlich wusste man, dass die Leitung von Astra ablehnen würde, aber ebenso wusste man, dass die eigentlichen Entscheidungsträger die Aktieninhaber sind. Wenn der Preis gut wäre, würden sie die Leitung zum Verkauf zwingen. Astra war in der Lage, den Preis durch die Umsatzerwartung hoch zu treiben und lancierte außerdem auf den Medizinkongressen Meldungen über neue Produktentwicklungen, wodurch die Aktieninhaber dachten, da wäre noch mehr drin.  Die Fachleute erwarten, dass Pfizer ein Angebot von 58,50 GBP machen muss, wenn sie Erfolg haben wollen.

Ich denke ihre Preisstrategie war falsch. Nicht das Eröffnungsangebot, was ja, wäre es sofort akzeptiert worden zu hoch gewesen wäre, sondern das finale Angebot, das eindeutig zu niedrig war.

 

 

Außerdem war das Timing schlecht. Pfizer hätte viel früher zuschlagen sollen; am Ende des letzten Jahres. Das hätte Astra weniger Zeit gelassen ihre Verteidigungsstrategie zu entwickeln und auch weniger Zeit für die PR-Maßnahmen, die schließlich den Aktienpreis hoch getrieben haben.

Aber vielleicht spielt Pfizer ja auf Zeit. Obwohl sie ein finales Angebot gemacht haben, könnten ihnen die Regeln des Aktienhandels erlauben im November oder vielleicht schon im August ein neues Angebot vorzulegen – wenn eine einseitige Anfrage zu einem Gespräch von Astra kommt. Der Niedrigpreis im ersten Gefecht könnte die Investoren überzeugen, dass in einer zweiten Runde auch nicht mehrt drin ist.

Warten wir es ab. Und vergessen Sie nicht Ihre Pillen zu schlucken!

 

Geschrieben von Stephen White


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