Nebenkriegsschauplatz

Veröffentlich: Jun 24 , 2014
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Letzte Woche sah es aus als würde die Politik den FIFA Weltcup verdrängen. Es gab Vorwürfe, weil Qatar als Austragungsort für die Weltmeisterschaft 2022 gewählt wurde und negative Schlagzeilen wegen der Wiederwahl des 78-jährigen Sepp Blatter zum Präsidenten der FIFA. All das rückte die Berichterstattung über den aktuellen Fußball in den Hintergrund. Zumindest bis die Weltmeisterschaft gestartet wurde, dann schienen alle Unstimmigkeiten und Skandale verschwunden zu sein.

Eine ähnliche Situation hatten wir 6 Monate zuvor bei der Winterolympiade in Sotschi. Damals drohten Terroristen die Spiele zu sabotieren und Anhänger der Lesben- und Schwulenszene versuchten das Augenmerk auf die Menschenrechtsverletzungen in Russland zu lenken. Aber nach der Eröffnungszeremonie, als die Skifahrer und Rodler loslegten, gab es nur noch Sport, Sport, Sport.

Ist die Politik nur eine Randerscheinung. Natürlich nicht. Wenn man die Zeitungsspalten zählt, gewinnen zwar die aktuellen Veranstaltungen, aber wenn man sie mit den voraus gegangenen Monaten vergleicht, in denen politische Kampagnen die Schlagzeilen dominieren, versteht man warum die Aktivisten genau diese Zeit nutzen.

Hier haben wir zwei Beispiele für die Effizienz von Nebenschauplätzen – die Theorie, dass Proteste, die große Ereignisse begleiten, eine übergroße Aufmerksamkeit genießen und deshalb besonders wertvoll für die Demonstranten sind.

Diese Nebenschauplätze gibt es auch im kommerziellen Umfeld. Genau vor einem Jahr trat Paul Flowers, ein 64-jähriger Minister und vormaliges Labour-Ratsmitglied von seinen Ämtern bei der in die Schlagzeilen geratenen Co-operative Bank zurück. Kurz bevor die Bank ein Finanzdefizit von 1,5 Milliarden GBP ankündigen musste. Sie befand sich im Besitz von 100.000en einfachen Leuten, die der Co-operative Labour Bewegung angehörten. Obwohl Flowers als Vorsitzender ungeeignet war und seine Inkompetenz zweifelsfrei zum schlechten Abschneiden der Bank beigetragen hat, wurde später als Hauptproblem das bizarre und obskure Vorgehen der regionalen Co-operative Niederlassungen bei der Wahl ihrer Vorstände ermittelt.

Um das Defizit auszugleichen, musste die Bank ein Rettungspaket mit einer Gruppe von Hedge Fonds verhandeln, die tatsächlich die Mehrheit übernahmen. Während der Verhandlungen tauchte gegen Ende 2013 ein Video auf, das Flowers zeigte wie er Kokain und Amphetamine kaufte. Kurze Zeit später musste sich Flowers gegen Vorwürfe seitens seiner politischen Kollegen wie etwa des Labour-Parlamentsmitglieds Cyril Smith wehren, die ihn der Pädophilie bezichtigten. Und dann wurden angeblich auf der Festplatte seines Dienstcomputers verfängliche Fotos gefunden.

Flowers wurde, sofern er nicht selbst kündigte, vieler seiner politischen und sozialen Ämter enthoben. Jede Enthüllung über ihn wurde von der Presse als Sensation ausgeschlachtet, was von den schlechten Nachrichten über die Bank ablenkte. Und was sehr wirkungsvoll die Kritik an der Co-operative-Führung dämpfte, die durch das katastrophale Bankmanagement in heller Aufregung war.

Zufall, oder absichtlich herbeigeführter Nebenschauplatz. Ich glaube, es war ein Beispiel für den Einsatz eines unwesentlichen Nebenskandals, um Details zu verschleiern, die sonst eine schwierige und kontroverse Verhandlung verursacht hätten. Und der von der eigentlichen Verantwortung des Bankvorstands ablenken sollte. Vielleicht wurden dadurch die Rettungsmaßnahmen erleichtert, die anderenfalls versagt, und damit dem Ruf des britischen Banksystems geschadet hätten. Aber es verursachte auch eine Nebelwand, die die wahren Schuldigen verbarg.

Natürlich behaupte ich nicht, dass Fußball eine Nebelwand ist, errichtet um die politischen Probleme der FIFA zu verschleiern. Aber er wird zweifellos helfen, diese Kontroverse abzuschwächen. Vielleicht ist die Theorie über die Effektivität von Nebenschauplätzen auch mangelhaft.

 

Geschrieben von Stephen White


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