Ist die Zeit auf Ihrer Seite?

Veröffentlich: Jan 16 , 2014
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Der Ministerpräsident von Schottland, Axel Salmond, hat den 24.03.2016 als Austrittsdatum aus dem Vereinigten Königreich angekündigt, sofern die Schotten (oder vielmehr diejenigen, die am 18.09.2014 in Schottland leben) für die Unabhängigkeit stimmen. Die Geschichtsinteressierten wittern einen historischen Hintergrund, denn an diesem Datum vereinigten sich 1603 das schottische und das englische Königshaus und 1707 wurde zum gleichen Datum das Vereinigungsgesetz für das Vereinigte Königreich von Großbritannien unterzeichnet.

Die Berichterstatter fragen sich warum soviel Zeit (18 Monate) zwischen dem Referendum und der Unabhängigkeit liegen muss. Die Wahrheit ist, es gibt eine Menge zu verhandeln. Es müssen Übereinkünfte getroffen werden bezüglich Landesverteidigung, Sozialversicherung, Aufteilung der Staatsverschuldung und Währungsfragen. Es handelt sich um substanzielle Verhandlungspunkte, die eine Reihe von Staatsdiener beschäftigen wird, und die letztendlich von den zuständigen Ministern abgesegnet werden müssen. Das ist bedenklich: Beamte und Minister müssen verhandeln. Ich hoffe, sie lassen sich gut beraten und natürlich wird Scotwork bereit stehen um die Gemüter zu beruhigen und sofern es nötig ist, den Schweiß von der Stirn zu wischen.

Zuletzt passierte etwas ähnliches am 01.01.1993, als Tschechien und die Slowakei sich trennten. Es waren 6 Monate zwischen der Entscheidung und der tatsächlichen Trennung angesetzt. Und noch heute, 20 Jahre später, haben einige kleinere Punkte Verhandlungsbedarf. 18 Monate werden als ausreichend angesehen um die substanziellen Punkte zwischen Schottland und dem Rest des Vereinigten Königreichs zu klären. Es besteht aber Einigkeit darüber, dass es nach dem Zeitpunkt der Unabhängigkeit noch Punkte geben kann, die nicht geklärt sind.

Zeit ist immer eine interessante Verhandlungsvariable. Die Schottische Nationalpartei (SNP) drängt auf Verhandlungen bevor das Referendum stattfindet. Es liegt in ihrem Interesse, es so aussehen zu lassen als wäre die Trennung eine beschlossene Sache. Natürlich hält die britische Regierung davon gar nichts und verweigert alle Verhandlungen bevor nicht das schottische Volk im nächste Jahr seine Meinung geäußert hat. Die Meinungsumfragen sind sich nicht einig, aber es scheint erkennbar, dass die Schotten ihren Weg nicht allein gehen wollen. Wir haben noch etwa ein Jahr bis zur Abstimmung und die Unionisten sind gut beraten wenn sie sich klar machen, wer ihnen gegenüber steht. Die Vorreiter der SNP sind abgebrühte Politiker, die sich ihr ganzes Leben neben dem Regieren auch im Agitieren geübt haben.

Auf der internationalen Bühne gab es dieses Wochenende einen weiteren interessanten Gebrauch der Variable Zeit. Für alle Beobachter lag etwas in der Luft, als angekündigt wurde, dass die Außenminister der beteiligten Länder eine nächste Verhandlungsrunde mit dem Iran in Genf planten. Israel ist natürlich grundlegend gegen jedes Abkommen mit einem Land, das erst einmal davon Abstand nehmen muss, den israelischen Staat von der Weltkarte streichen zu wollen. Deshalb müssen die Absichten der USA und des Vereinigten Königreichs sehr vorsichtig abgewogen werden. Es wurde eine Aussetzung der Vereinbarung von 6 Monaten angesetzt um Israel zu beschwichtigen. Der israelische Premierminister, Benjamin Netanjahu bezeichnet dieses Abkommen weiterhin als „historischen Fehler“. Ich nehme aber an, die Reaktion wäre ohne eine aufschiebende Klausel wesentlich härter ausgefallen.

Als Verhandler sollte man niemals vergessen, wie wichtig der Faktor Zeit in Verhandlungen ist. Man kann sie verwenden um Fristen zu setzen oder sie als Variable in der Verhandlung einsetzen. Man kann sie nutzen um einen Abschluss zu verbessern oder zu verschlechtern. Man kann sie sogar nutzen um Verhandlungen zu verzögern indem man einen unrealistischen Termin vorschlägt.

 

Geschrieben von Robin Copland


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