Bhopal

Veröffentlich: Dez 11 , 2014
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Ein amerikanischer Präsident (je nach ihrer politischen Ausrichtung kann es jeder Präsident seit Eisenhower sein) besucht eine Schulklasse mit 9-jährigen. Die Klasse diskutiert die Bedeutung des Begriffs Tragödie.

Der Präsident fragt „kann mir jemand ein Beispiel für eine Tragödie geben“. Peter antwortet „meine Freund rannte auf die Straße und wurde von einem Auto überfahren. Das ist eine Tragödie.“ „Nein“ sagt der Präsident, „das ist ein Unfall.“ Jane meint „In einer Fabrik laufen Chemikalien aus und 2.500 Menschen sterben, das ist eine Tragödie“, „Nein, sagt der Präsident, das ist ist ein verheerender Schaden.“

William sagt „Die Präsidentenmaschine wird von einem abtrünnigen Soldaten durch eine Boden-Luft-Rakete abgeschossen – während Sie an Bord sind. Das ist eine Tragödie.“

„Brilliant“, sagt der Präsident. „Diese Definition ist perfekt. Warum ist dies eine Tragödie?“ Das Kind antwortet „Weil es offensichtlich kein Unfall und auch kein verheerender Schaden ist.“

Wie man auch immer Tragödie definiert, ich bin auf Janes Seite. Dass die Tragödie bei Union Carbide in Bhopal erneut in den Schlagzeilen ist, überrascht wohl kaum. Obwohl der Zwischenfall schon vor 30 Jahren war, am Abend des 3.2.1984, hat er Ausmaße, die bis heute die Nachrichten füllen.

Der Skandal ist, dass das Unheil von Bhopal immer noch aktuell ist. Die Chemikalien versickerten im Boden und verseuchten das Grundwasser. Die daraus entstanden Krankheiten und genetischen Mutationen wirken bis heute in entsetzlichem Ausmaß nach. Ein Bericht aus 2014 macht deutlich, dass ca. 120.000 bis 150.000 Überlebende an schwerwiegenden medizinischen Folgen, wie etwa Nervenkrankheiten, Entwicklungsstörungen, Frauenkrankheiten, Atemwegsbeschwerden, Geburtsfehlern und einer immens hohen Krebs- und Tuberkoloserate leiden (Quelle Wikipedia). Das Fabrikgelände, mittlerweile in staatlicher Hand, wurde niemals gereinigt und es gibt auch keine Bestrebungen dies in absehbarer Zeit zu tun. Obwohl Union Carbide 5 Jahre nach dem Ereignis zu Ausgleichszahlungen bereit war, vom indischen Obersten Gerichtshof wohlwollend zur Kenntnis genommen, bleibt doch ein übler Nachgeschmack. Es war nur ein lächerlich kleiner Betrag, der für die menschlichen Tragödien zur Verfügung gestellt wurde. Die Opfer erhielten im Durchschnitt nur 400 USD; für einen Todesfall waren es armselige 1.000 USD.

Vielleicht gibt es jetzt Hoffnung in Form eines baldigen, zusätzlichen Schadenersatzes. Union Carbide wurde 2001 von Dow Chemicals übernommen. Kürzlich haben die Anteilseigner von Dow Chemical darauf gedrängt, die finanziellen Verpflichtungen für die Opfer neu zu überdenken und zu verhandeln. Aus Sicht der Aktionäre leidet Dows Image unter der Bhopalmisere und man müsse sich darum kümmern – nicht aus menschlichen Gründen, sondern weil es wirtschaftlich notwendig wäre.

Gute Verhandler wissen, dass nur eine tragfähige Vereinbarung langfristig Bestand hat. Ob die Ausgleichszahlungen von Union Carbide, damals im Jahre 1989 als gute Maßnahme erschienen, ist nicht wichtig. Aus heutiger Sicht waren sie ungerecht. Sie haben langfristig negative Auswirkungen auf das Geschäft von Dow Chemicals. Und nicht nur in Indien, sondern bei Käufern auf der ganzen Welt, die sich mit den Opfern verbunden fühlen. Um die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen und weil es einfach das Richtige ist, müssen die Direktoren von Dow auf die immer lauter werdenden Forderungen hören und endlich tätig werden.

 

Geschrieben von Stephen White


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