Trauerspiel

Veröffentlich: Aug 03 , 2013
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Können die Nah-Ost-Verhandlungen erfolgreich sein?

Weil derzeit in Washington die Gespräche zwischen israelischen und palästinensischen Vertretern beginnen – Gespräche, die beide Seiten als Verhandlungen bezeichnen – ist es interessant, sich Gedanken zu machen über die Erfolgsaussicht, die der von beiden angestrebte Zeitrahmen von neun Monaten hat. Die Erfahrung der vergangenen Jahre bringt uns da wenig Hoffnung. Die Osloer Verträge und der Camp David Gipfel wurden als großartige Gelegenheiten gepriesen und haben letztendlich beide versagt. Seither gab es zwischen den Parteien kaum Gesprächsbereitschaft, zumindest in der Öffentlichkeit. Ist das Problem im Nahen Osten grundsätzlich unlösbar, oder fehlen die notwendigen Fähigkeiten zur Verständigung?

Nach Hegel ist eine Tragödie die Kollision zwischen einseitigen, berechtigten Positionen, die sich gegenseitig ausschließen. Ich kann diesen Konflikt nicht besser beschreiben. Die Palästinenser beanspruchen Palästina als ihr Eigentum, denn es hat schon ihren Vorfahren gehört. Die Israeli begründen ihren Anspruch auf Israel mit dem Beschluss der Vereinten Nationen von 1947. Unglücklicherweise meinen beide das gleiche Stück Land. Fanatiker auf beiden Seiten finden tausende Gründe warum Ihr Anspruch fundiert und der andere völlig haltlos ist. Beide vergeuden ihre Zeit. Ihre Argumente neutralisieren sich wechselseitig und bringen dadurch keine Lösung. Denn beide Interessen schließen sich gegenseitig aus, obwohl sie einseitig berechtigt sind. Wie Hegel sagt, eine Tragödie.

Deshalb sind die einzig möglichen Ergebnisse der angesetzten Gespräche entweder Abbruch oder ein Kompromiss. Ein Kompromiss wäre eine Zwei-Staaten-Lösung, in der beide Seiten nur einen Teil des Gebietes beanspruchen und der anderen Seite den anderen Teil überlassen. Das kann nur passieren, wenn beide Parteien bereit sind von ihrer Ideal-Position abzurücken. Die Grenzen würden sich verändern, Sicherheitsinteressen müssten zurück gesteckt werden und Jerusalem müsste geteilt werden. Wie auch immer ein solcher Kompromiss aussehen mag, er wird für beide Verhandlungsseiten schwer zu akzeptieren sein und noch schwerer wird es sein, ihn anschließend den eigenen Leuten zu verkaufen. Es erfordert auf beiden Seiten große Führungspersönlichkeiten, die erkannt haben, wie notwendig Frieden für die Region ist und die dabei über das Charisma verfügen, Ihren Wählern die Lösung vermitteln zu können und sie auch durchführen zu dürfen.

Ich bin mir sicher, dass es beiden Seiten nicht an Besserwissern, politischen und strategischen Ratgebern und Verhandlungstheoretikern fehlen wird, die alle meinen, sie könnten den Prozess voran bringen. Die Meetings in den ersten Wochen werden sich wohl auf folgenden Punkte fokussieren: Die Termine und die Häufigkeit der zukünftigen Treffen, den Redeanteil, die Form des Verhandlungstisches, die Reihenfolge der Agenda und so weiter.

Aber ich bin weniger zuversichtlich, ob die Staatsdiener und ihre Verhandlungsberater in ein paar Wochen, wenn die Gespräche beginnen, über die notwendigen Fertigkeiten verfügen, um den Prozess kreativ voran zu bringen. Meine Zweifel resultieren aus der Lektüre politischer Autobiographien und den politischen TV-Sendungen, wo die Hauptakteure bis ins letzte Detail über ihre Verhandlungen berichten. Zum Beispiel Kissinger über Vietnam, Milosevic über die Bosnien-Gesprächen in Dayton, Alastair Darling über den allgemeinen Finanz-Kollaps von 2008. Und natürlich all die amerikanischen, palästinensischen und israelischen Verhandler über den Verfall der Osloer Verträge und des Camp David Gipfels. Sie erklären Stück für Stück was passiert ist und wie die Veranstaltungen abgelaufen sind. Kaum überraschend, dass jede Erzählung unterstellt, der Author/Sprecher sei auf dem richtigen Weg gewesen, habe außergewöhnliche Raffinesse und Verhandlungsgeschick bewiesen, verglichen mit den anderen Mitspielern, die nicht zuhören konnten, sich unlogisch verhalten haben oder schlichtweg unfähig waren.

In schöner Regelmäßigkeit sieht man, dass es den Verhandlungsführern an grundlegenden Fähigkeiten mangelt. Sie sind von der Meinung und dem Verhalten der Gegenpartei überrascht, verstehen nicht deren wirkliche Bedürfnisse, sind in Meetings entweder nicht  oder nur auf eine einzige Maßname vorbereitet, was jede Flexibilität in der Annäherung verhindert. Sie klammern sich wahllos an wildeste Ideen, die zwar faszinierend klingen aber unweigerlich versagen. All diese Leute sind zweifelsohne intelligent, es fehlt ihnen aber an den fundamentalen, praxiserprobten Fertigkeiten aus der Geschäftswelt, die ihre theoretische Intelligenz zum Tragen brächte. Und weil die meisten von ihnen Berufspolitiker und Diplomaten sind, die sich nie auf der Straße bewähren mussten, darf uns das kaum verwundern.

Alle Leser, die sich bereit erklären, dieses Basis-Wissen an die Nah-Ost-Politiker weiter zu geben – bevorzugt natürlich an beide Seiten, damit sie gleich befähigt sind – können sich bitte hinter mir anstellen!

Mit bestem Dank an Amoz Oz für die Anregung.

 

Geschrieben von Stephen White


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