Nur ein freier Mann kann verhandeln

Veröffentlich: Nov 21 , 2013
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„Bitte nehmen Sie nach der Kaffeepause unverzüglich Platz“, sagte der Organisator der Internationalen Partnerkonferenz von KPMG 1999 in Kapstadt. „Wir haben einen Ehrengast.“ Zwanzig Minuten später sahen wir (etwa 150 Konferenzteilnehmer) Nelson Mandela, der damals seinem 80sten Geburtstag entgegensah, den Gang langsam an uns vorbei in Richtung Rednerpult gehen. Er sprach in einer sorgsam vorbereiteten Rede auf seine bedächtige Weise davon, wie wichtig es für diese Stadt sei, solch eine erlesene Gruppe internationaler Wirtschaftsführer begrüßen zu dürfen. Es war ein etwas durchsichtiger Vortrag und ich war ein wenig enttäuscht. „Und schließlich…“ sagte er dann, und faltete das Papier, von dem er 10 Minuten lang vorgelesen hatte, zusammen. Was jetzt folgte, war eine freie und faszinierende, 20 minütige Ansprache über den Machtzuwachs des ANC in einem demokratischen Südafrika und wie einfach es gewesen wäre, alte Rechnungen zu begleichen und blutige Vergeltung für die Jahre der rassistischen Unterdrückung zu üben. Die Zuhörer, ich eingeschlossen, waren restlos gefesselt von der Erzählung über schwarze Parlamentsmitglieder, die unter ärmlichsten Verhältnissen in den Townships groß gezogen und ausgebildet wurden und die jetzt unter Mandelas Führung das Leben ihrer Wähler durch Versöhnung und nicht durch Rache verbessern wollten. Als er die Halle verließ, versuchten viele von uns seine ausgestreckte Hand in fast biblischer Verehrung zu berühren. Mir fällt hier mein erster Besuch in Südafrika ein, als ich ein Seminar für eine Gruppe von Führungskräften hielt und auf einem Flipchart die Definition von Führungsqualität erarbeiten wollte. „Wir haben eine Präsidenten, der ein wenig über Menschenführung Bescheid weiß“, sagte ein weißer Zuhörer: „Schreiben Sie das Wort Mitgefühl auf Ihr Chart und lesen Sie ‚Der lange Weg zur Freiheit.’“ Ich habe beides gemacht, und erst neulich jemandem, der das Land zum ersten Mal bereiste vorgeschlagen, ebenfalls das Buch zu lesen, um die Natur und die Geschichte des Landes und das Vermächtnis des gerade Verstorbenen zu verstehen.

Seit meiner ersten Reise vor 20 Jahren, habe ich Robben Island besucht, bin durch die Straßen der schwarzen Townships gegangen und hab darüber gegrübelt, warum das Land nicht einem Despoten, Tyrannen oder Demagogen erlag, wie so viele andere auf dem Kontinent, die ihre „Freiheit“ erhielten. Viel davon verdankt es Mandela, dem, wie manche wissen werden, mehrere Male vor seiner endgültigen Freilassung vom damaligen Präsidenten Botha die Freiheit angeboten wurde, allerdings nur unter der Bedingung dem ANC und seinen politischen Absichten zu entsagen. Er wies das Angebot mit den Worten: „Nur ein freier Mann kann verhandeln“ zurück und blieb weiterhin in Haft. Einige Jahre später wurde er seinerseits der mächtigste Mann des Landes, und was uns immer im Gedächtnis bleiben wird, ist seine Form diese Macht zu nutzen. Ich hörte einmal einen angesehenen amerikanischen Berater zu einem Kunden sagen: „Wir können die Geschichte nicht ändern, aber wir können daraus lernen.“ Ich glaube Mandela hat aus der Geschichte gelernt, dass sein Ziel, Einheit zu erlangen, am ehesten dann erreicht wird, wenn er das Prinzip der Vergebung und Versöhnung verfolgt und nicht vergangenes Unrecht wiederholt. Uns ist allen klar, dass Prinzipien nicht verhandelbar sind. Als er nun als freier Mann verhandeln konnte, blieb er seinen Grundsätzen treu und nutzte seine Macht um zu einem freien, demokratischen und vereinten Land zu gelangen. Er und seine Anhänger erlagen nicht der Versuchung sich zu rächen, was wie er auf der Konferenz sagte, die „logische Reaktion“ gewesen wäre.

So kommt es, dass er heute in der Stunde seines Todes vielen auf der ganzen Welt als bemerkenswerter Mann im Gedächtnis bleiben wird, der seinen Prinzipien treu blieb und seine Macht zum Guten nutzte. Eine der vielen Lektionen aus seinem Vermächtnis wird für uns alle sein, unsere Ziele zu überprüfen, wenn wir zu Macht gelangen. Und dass wir unser Herz befragen sollten – bevor wir uns entscheiden, wie wir diese Macht einsetzen wollen.

 

Geschrieben von David Bannister


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