Neue Elemente

Veröffentlich: Jan 24 , 2013
Autor:

Es ist nicht neu, dass große Bauvorhaben in der Ausführung teurer werden, als in der Planung vorgesehen.

2007 unterschrieben die Projektpartner Deutsche Bahn und die beauftragten Planer und Bauunternehmen die Vereinbarungen zum Bau von Stuttgart 21, einem unterirdischen Durchgangsbahnhof, der den alten Kopfbahnhof ersetzten soll. Aus meiner Sicht als Bahnreisender eine gute Sache – kostet mich die Ein- und Ausfahrt in den Kopfbahnhof doch auf meinem Weg nach München viel Zeit.

Weit heftiger als gedacht regte sich in Baden-Württemberg der Widerstand gegen das Projekt, teils wegen der sich immer weiter erhöhenden Kostenprognosen, teils ging es den Projektgegnern um den Erhalt des alten – und zugegebenermaßen – auch sehr schönen – Bahnhofs und teils fühlten sich die Bürger in der Entscheidungsphase über das Projekt nicht ausreichend informiert. Nachdem im Februar 2010 mit dem Bau begonnen wurde, waren Protestaktionen an der Tagesordnung, die Situation eskalierte bis hin zu Ausschreitungen.

In dieser Situation gab es nur zwei Alternativen: Bau ja oder Bau nein. Eine denkbar schlechte Ausgangssituation für weitere Verhandlungen zwischen Befürwortern und Gegnern.

Schließlich entschied man sich zu einem Schlichtungsverfahren, in dem der zum Schlichter bestellte Heiner Geissler verschiedene Kompromissvorschläge unterbreitete, beispielsweise nur den Fernverkehr unter die Erde zu verlegen und den Nahverkehr weiten im alten Bahnhof abzuwickeln. Er brachte mit seinen Vorschlägen neue Elemente ins Spiel, neue Variablen in die Verhandlungen. Eigentlich der richtige Ansatz…

Bedauerlicherweise scheiterten seine Ideen an der mangelnden Kompromissbereitschaft der Bahn. Hier wurde es offensichtlich als Gesichtsverlust empfunden, ein einmal rechtsverbindlich abgeschlossenes Projekt aufzuweichen.

Als letzte Instanz kam es so zu einem Volksentscheid, der zugunsten der Durchführung des Projektes endete – gestritten wird indes immer noch, auch wegen weiter steigender Projektkosten.

Ein schönes Beispiel dafür, wie sich Fronten in Verhandlungen verhärten können und die Verhandlungen damit in eine Sackgasse manövrieren.

Geisler hatte die richtigen Ideen, aber die Situation war schon zu weit eskaliert. Vielleicht hätte es geholfen, wenn man über weitere Verhandlungselemente nachgedacht hätte, die über das strittige Projekt hinausgehen. Beispielsweise seitens der Ausbaugegner Zugeständnisse in anderen Projekten auf Landesebene zu verlangen oder zumindest für die Zukunft sicherzustellen, dass die Bürger früher transparent in Entscheidungen eingebunden werden.

Neue Elemente schaffen Flexibilität in Verhandlungen, können Gesichtsverlust entgegenwirken, Sackgassen vermeiden und Win-Win-Situationen herbeiführen.

Leider werde ich vor 2020 nicht schneller in München sein können – so lange dauert die Umsetzung…wenn nichts dazwischen kommt…

 

Geschrieben vom Scotwork-Team


Kommetieren

Aktuellster Blog

War’s das?

Im Jahr 1996 hat Deep Blue, ein Schachcomputer von IBM, den besten Spieler der Welt, Garry Kasparov geschlagen. Es war das erste Mal, dass ein Computer den bestehenden Weltmeister in einem nach internationalen Schachregeln ausgetragenen Wettkampf besiegen konnte. Kasparov beschuldigte IBM betrogen zu haben und verlangte ein Revanche. IBM lehnte ab und schickte Deep Blue in den Ruhestand...

Aktuellster Tweet:

SCOTWORK SC VERHANDLUNGSTECHNIK & CONSULTING GMBH
SC VERHANDLUNGSTECHNIK & CONSULTING GMBH
Unsöldstraße 2
80538 München
Germany
+49 (0)700 – Scotwork (72 68 96 75)
info@scotwork.de
Follow us
cpd.png
voty2016_sign_gold.png