Kollaps

Veröffentlich: Mai 03 , 2013
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Während sich die Zahl der Todesopfer durch den Zusammenbruch des Gebäudes des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Dhaka, Bangladesch der Zahl 800 nähert, ist die Aufmerksamkeit der internationalen Presse auf die westlichen Unternehmen gerichtet, die Ware von Herstellern kaufen, die in ähnlichen Gebäuden produzieren. In vielen Berichten während der letzten Jahre sind jämmerliche Löhne, unmenschliche Arbeitszeiten und die Beschäftigung von Kindern angeprangert worden.

Aber diese Missstände spielen nicht in der gleichen Liga wie nun der Verlust von Menschenleben in einem wahrscheinlich illegal errichteten Gebäude, das schwere Baumängel auswies. Die britischen Einzelhändler Primark und Chilean, sowie Benetton (Italien), Mango (Spanien) und Loblaws (Kanada) haben alle zugegeben, dass sie Kunden von Unternehmen mit Sitz in diesem Gebäude waren; Primark hat bereits verkündet, finanzielle Unterstützung für die Opfer der Katastrophe zu leisten; andere könnten diesem Beispiel folgen.

Aber müssen wir uns nicht fragen, ob der westliche Käufer und seine zweifelhafte Nachfrage nach immer billigeren Waren mit schuld an solchen Katastrophen ist? Letztlich ist die Situation auch von den Verbrauchern geschürt, die wir alle kennen: nur kein ‘Schnäppchen’ ausschlagen…Aber der alte Spruch ‘Sie bekommen, was Sie bezahlen’ ist eine universelle Wahrheit. Wir sollten doch hinterfragt haben, wie eine britische Supermarktkette es schon vor Jahren schaffte, Kinder mit Schuluniformen für weniger als £5 ($8) auszustatten – dabei war die Qualität oft gut. Wie wir heute wissen, funktioniert das nur mit Arbeitsbedingungen wie beschrieben.

Nur: was konkret dagegen tun? Welchen Einfluss sollten die aktuellen- und vergangenen Ereignisse auf Verhandlungen mit den Herstellern in Fernost haben?

Meines Erachtens reicht es nicht, während des Verhandlungsprozesses Mindeststandards für Service Level Agreements oder andere vertragliche Dokumente festzulegen. In der Praxis überträgt das die Verantwortung lediglich an den Geschäftspartner – in diesen Fällen den Hersteller-, die sie dann entweder nicht einhalten, weil es zu sehr auf die Marge drückt oder weil sie denken, es wird schon nichts passieren.

Die größeren Einzelhändler haben in den letzten Jahren Mitarbeiter rekrutiert, die solche Bedingungen überwachen sollen und Missbrauch in den Fabriken unmöglich machen sollen. Die Praxis legt nahe, dass sie keinen guten Job machen; vielleicht auch einfach ein strukturelles Problem vor dem Hintergrund von Hierarchie und Macht: „wer hat die lautere Stimme auf Vorstandsebene – der „ethische“ Manager oder die Procurement Manager?

Westliche Käufer haben in Verhandlungen mit diesen fernöstlichen Fabrikbesitzern die moralische Verantwortung, sich zu fragen, ob die Zahlen plausibel sind (sind die Rohstoffquellen wirklich so billig?), realistische Preise für Arbeit einzuschätzen (wie schnell kann ein Kleidungsstück tatsächlich hergestellt werden?) und realistisch die Gemeinkosten zu bewerten (kann eine Arbeitsstätte für so wenig Geld wirklich sicher sein?). Und wo die Antworten nicht plausibel sind, sollte der Hersteller in den Verhandlungen in die Bringschuld gebracht werden.

Mit anderen Worten, die westlichen Händler sollten Anteile an diesen Herstellern kaufen und selbst wieder in die Verantwortung gehen. Die Beauftragung von Drittherstellern ist eine sehr bequeme Möglichkeit, “nicht meine Schuld” zu sagen wenn die Dinge schief gehen.

Und wo ist dies nicht praktikabel erscheint, sollten wir in der entwickelten Welt uns für Rechtsvorschriften einsetzen, die westliche Firmen bei solchen Unfällen in die Haftung genommen werden.

 

Geschrieben von Stephen White


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