Gesichtsverlust

Veröffentlich: Apr 06 , 2013
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Die jüngsten Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel geben Anlass zur Sorge. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat sich und sein Land mit seinen Drohgebärden mittlerweile selbst immer weiter ins Abseits manövriert.

Über die Gründe wird spekuliert – offensichtlich will der junge Machthaber das innenpolitische Zeichen setzen, dass er ein starker Anführer ist.

Eine gefährliche Sache, denn das könnte Nordkorea außenpolitisch in eine Sackgasse führen, aus der es keinen Ausweg mehr gibt – außer die Drohungen wahrzumachen, zumindest soweit es seine tatsächliche Militärmacht zulässt. Ein Problem, das sich dahinter verbirgt, ist der Gesichtsverlust. Jeder von uns hat sich schon einmal in einer solchen Situation befunden und weiß, wie unangenehm der Rückzug ist.

Hinzu kommt die Tatsache, dass noch mehr als z.B. in westlichen Ländern im asiatischen bzw. ostasiatischen Raum ein Gesichtsverlust unter (fast) allen Umständen vermieden werden muss.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Szenerie bedenklich, ein kleiner Fehler auf einer der Seiten könnte zur Eskalation führen.

Das Problem des Gesichtsverlustes ist auch in Verhandlungen ein großes Thema. Insbesondere dann, wenn man sich unrealistisch ehrgeizige Ziele gesetzt hat – dann müssen wir in der Verhandlung selbst oft weit von unserer Position abrücken. Bei Spotgeschäften mag das noch unproblematisch sein. In langfristigen Geschäftsbeziehungen ist das mindestens unangenehm, im schlimmsten Fall droht das Ende der Geschäftsbeziehung, weil das Vertrauen zerstört ist.

Um dies zu vermeiden, sollte man also möglichst realistische Aussagen machen.

Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, in Verhandlungen eine Sanktion anzudrohen, wenn es auf der anderen Seite überhaupt keine Bewegung gibt. Dazu muss aber zwingend die entsprechende Macht vorhanden sein, sonst ist die Sanktion per se unglaubwürdig. Versuchen Sie doch einmal, einem Monopolisten in einer Verhandlung Sanktionen anzudrohen.

Sollten Sie tatsächlich die Mittel haben zu sanktionieren, dann müssen Sie es auch tun (vorausgesetzt, die andere Seite bleibt inakzeptabel unnachgiebig). Sonst wird jede Drohung in der Zukunft wiederum unglaubwürdig. Es lohnt der Vergleich mit der Kindererziehung: was lernt ein Kind aus einer nichtvollzogenen Sanktion? Die Antwort kennen wir alle.

Mittlerweile hat sich die Schweiz, in der Kim Jong Un unter anderem Namen studiert haben soll, als Vermittler angeboten. Man kann nur hoffen, dass dies zur Entspannung beiträgt.

 

Geschrieben vom Scotwork-Team


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