Der richtige Preis

Veröffentlich: Jan 10 , 2013
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Die meist gestellte Frage an Scotwork-Berater ist „wie weiß ich, dass ich den richtigen Preis gezahlt habe?“ Eine Frage, die uns natürlich immer wieder beschäftigt. Obwohl der Deal gut aussieht, alle Notwendigkeit erfüllt sind, alle Konflikte gelöst sind, alle Klippen umschifft wurden und ich also gut damit leben kann, gibt es diesen kleinen Teufel im Kopf der immer wieder zu sagen scheint: „wäre da mehr drin gewesen?“ oder „hätte das noch besser laufen können?“

Es stellt sich in der Tat die Frage: Was ist der richtige Preis? Für einen professionellen Einkäufer könnte man meinen, die Antwort ist einfach – ein Preis, mit dem das Unternehmen einen Gewinn macht. Nicht mehr als der Marktpreis, besser natürlich weniger und aufgrund der Bewertung der eigenen Performance der Ehrgeiz, diesen Preis Jahr für Jahr weiter nach unten zu bringen.

Es war in diesem Zusammenhang interessant, einen Zeitungsbericht zu lesen, in dem berichtet wurde, dass die japanische Sushi-Kette Kiyomura „etwas mehr“ als den Marktpreis für den ersten Thunfisch bezahlt hat, der auf dem Fischmarkt von Tokio im Jahr 2013 versteigert wurde. Nun, das ist vielleicht eine Untertreibung. Sie bezahlte nämlich 1,76 Millionen US-Doller für einen einzigen Fisch mit einem Gewicht von 222 Kilogramm, d.h. über $8.000 pro Kilo. Natürlich ist ein Kilo Thunfisch in guter Qualität auch bei mir im Supermarkt um die Ecke teuer, aber dieser Preis ist einfach lächerlich.

Warum bezahlt jemand so viel für einen Fisch? Vielleicht weil es Glück bringt, den ersten Fang des Jahres zu besitzen? Man würde annehmen, dass dieser Thunfisch besonders gekennzeichnet wird und in den Restaurants mit einem Aufschlag verkauft werden wird. Aber so will es Kiyomura gar nicht. Dieser Fisch wird von den Restaurantbesitzern wie jeder andere in etwa 10.000 Sushi Stücke geschnitten und zum regulären Preis von 128 Yen verkauft ($1,47). Das bedeutet einen Verlust von $174.50 pro Stück.

Vielleicht ging es Kiyomura um die PR; den Namen der Restaurantkette in Japan und weltweit in den Medien zu bringen. Das ist soweit in Ordnung, außer dass die meisten Kunden sich wohl fragen werden, wie viel Marge Kiyomura wohl bei den normalen Menüs  hat, um einen solch großen Verlust auf einen einzigen Thunfisch kompensieren zu können.

Eigentlich aber war der Hauptgrund Stolz. Sie haben wahrscheinlich von dem Konflikt zwischen Japan und China gehört, in dem es um kleine Gruppe von unbewohnten Inseln im Ostchinesischen Meer geht; beide Länder erheben Anspruch auf dieses Territorium. Der konkurrierende Bieter für den Thunfisch war eine andere japanische Sushi-Restaurant-Kette, allerdings mit einem chinesischen Besitzer. Kiyomura konnte die Chinesen einfach nicht gewinnen lassen. Sie wollten die stolzen Japaner gegen diese chinesischen-kulinarische Aggression verteidigen. Wirtschaftlich unsinnig, aber so ist es passiert.

Der glückliche Fischer, der diesen Fisch gefangen hat, hat vielleicht mit einem guten Geschäft gerechnet, weil der erste Fang des Jahres Glück bringt. Aber er hätte sicher nie damit gerechnet, dass der japanische Stolz ihn wegen fünf einsamen Inseln zum Dollar-Millionär machen würde.

Hat der Käufer Kiyomura also den “richtigen Preis” bezahlt? Ich weiß es nicht, hätte aber gerne Mäuschen gespielt, als der Ersteigerer nach der Auktion seinen Chef angerufen hat…

 

Geschrieben von Stephen White


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