Drohgebärden

Veröffentlich: Aug 03 , 2012
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Mit großem Interesse habe ich mir diese Woche die Übertragung der olympischen Spiele angesehen. Dabei habe ich auch die heftig geführte Debatte über die Vergabe von Sitzplätzen in den jeweiligen Sportstätten verfolgt. Viele sportbegeisterte Menschen haben im Vorfeld der Spiele versucht, Tickets zu bekommen – ohne Erfolg. Umso ärgerlich der Blick auf die vielen leer gebliebenen Sitzplätze während der ersten Woche der Spiele. Mehrere Kommentatoren haben sich bemängelt, dass die LOCOG (das Londoner Organisationskomitee für die Olympischen- und Paralympischen Spiele) “sieben Jahre Zeit gehabt hätte, diese Situation zu vermeiden”.

Der Grund für das Freibleiben dieser Plätze ist der, dass das olympische Protokoll vorsieht, ein bestimmtes Kontingent an Eintrittskarten für die “Olympische Familie” zurückgehalten wird. Weil ihre Anzahl am Gesamtkontingent aller Tickets für London 2012 marginal ist, hat haben sich die Organisatoren nicht weiter um diese „Problemchen“ gekümmert. Für die Mitglieder der Olympischen Familie gab es keinen Zwang, diese Tickets zu nutzen, deshalb die leeren Plätze.

Vielleicht hat LOCOG dieses Problem sogar früh erkannt, aber in der Abwägung der Kosten des Nichtstuns (die negative Publicity) gegen die Kosten des Versuchs, die verschiedenen Länderdelegationen zu Veranstaltungen zu zwingen entschieden, nichts zu tun.

Dies ist ein Dilemma, dass die Verhandlungsführer regelmäßig vorfinden. Auf der einen Seite gibt es die Möglichkeit der Beibehaltung des Status Quo (des „Nichtstuns“), auf der anderen Seite gibt es die Kosten der Veränderung. Die Kosten müssen gegeneinander abgewogen- und Entscheidungen auf der Grundlage dieser Erkenntnisse gefällt werden.

Kofi Annan hat gerade seine Rolle als UN-Sondergesandter im syrischen Konflikt aufgegeben. Er hatte bereits vorher den anderen Ländern gedroht, sein Amt niederzulegen, wenn seine Pläne für den Frieden weiterhin regelmäßig ignoriert- und nicht unterstützt werden – trotz des tragischen Verlust von Menschenleben, den wir täglich im Fernsehen beobachten können. Seine Drohung hatte das Ziel, die Protagonisten dazu zu bringen, ihre Positionen zu ändern; sie weigerten sich, also machte er seine Ankündigung wahr.

Drohungen sind eine recht schlechte Technik, um Positionen gegen zurückhaltende Verhandlungspartner durchzusetzen. Wie das Beispiel von Kofi Annan zeigt, müssen sie wenigstens ernst gemeint sein und konsequent umgesetzt werden. Wenn die Drohungen leer sind, zeigt das Schwäche. Ein weiterer Nachteil: Menschen haben ein gutes Gedächtnis und neigen dazu, bei der nächsten Gelegenheit in gleicher Weise zu reagieren.

Alternativ können Verhandlungsführer Anreize für die andere Seite schaffen, um Dinge voranzubringen. Ich weiß nicht, wie LOCOG die Sache mit der “Olympic Family” behandelt hat, aber ich glaube, dass Anreize angeboten wurden, die leeren Plätze zu verkaufen. Vielleicht zusätzliche kulturelle Anreize, logistische Extraunterstützung, mehr Werbeaktivitäten sowie finanzielle Anreize – all dies könnte für die Olympische Familie von Interesse gewesen sein und hätte sie ermutigten können, flexibler zu sein.

LOCOG hat seinen klaren Auftrag – ein sportliches Erbe für die Jugend von heute zu hinterlassen. Der Anblick der leeren Sitze in einem Stadion ist nicht sehr gut geeignet, diese Botschaft zu transportieren. Es war wichtig für LOCOG wenigstens ein Bemühen erkennen zu lassen, mit dem Problem umzugehen und es zu lösen. Mittlerweile sind mehr und mehr Tickets verfügbar, so dass die Lücken gefüllt sind.

 

Geschrieben von Sam Macbeth


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