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Veröffentlich: Dez 06 , 2012
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In Deutschlands Profifußball herrscht seit drei Spieltagen eine seltsame Stille in den Stadien. Was war passiert? Um der zunehmenden Gewalt in den Fußballstadien entgegenzutreten, fordern Politik und Verband verschärfte Sicherheitskontrollen – sehr zum Unmut der Masse der zwar organisierten- aber doch gewaltfreien Fußballfans.

Alles Argumentieren der Fanvertreter half nichts – die Chance, auf einem Volksfest oder auf dem Weg ins Stadion verletzt zu werden sei schließlich viel höher. Schließlich verständigte man sich in Fankreisen auf die Aktion 12:12; ein stiller Protest: 12 Minuten und 12 Sekunden sollte in den obersten drei Profiligen Ruhe in den Stadien herrschen, keine Fangesänge, kein Anfeuern der eigenen Mannschaft.

Obgleich dieser Stimmungsboykott als einer der größten Fanerfolge in der 50-jährigen Bundesligageschichte gewertet wurde, und die Organisatoren „eine Position der Stärke, weg vom Bittstellertum“ erkannt haben will passierte – nichts.

Das ungeliebte Papier „sicheres Stadionerlebnis“ wurde einstimmig durchgesetzt. Die Gegenposition von Verband und Politik mit der Drohung an die Vereine, sich künftig selbst mit Maßnahmen wie „Abschaffung der Stehplätze“, „Personalisierung der Tickets“ und „reduzierte Kartenkontingente“ einzumischen, wog offensichtlich schwerer.

Dieses Ergebnis zeigt, wie falsch die Fanorganisationen die Machtverhältnisse eingeschätzt haben. Zumal viele Zuschauer bereits vor Ablauf der 2 Minuten applaudiert oder gepfiffen hatten, die Aktion also aufgeweicht wurde. Offenbar stand nicht jeder Zuschauer dahinter.

Die beschriebene Situation zeigt sich auch in vielen Verhandlungen. Machtverhältnisse werden falsch eingeschätzt, Maßnahmen und Drohungen verpuffen. Was lernt die andere Seite? Die Antwort ist klar. Eine falsch eingeschätzte und eingesetzte „Machtposition“ schwächt uns noch weiter.

Was tun? Nehmen Sie sich vor jeder Verhandlung die Zeit, Ihre Position so genau wie möglich einzuschätzen. Recherchieren Sie gründlich, sammeln Sie im Austausch mit der anderen Partei so viele Informationen wie möglich, versichern Sie sich in multilateralen Verhandlungen, welche Position dritte Parteien einnehmen und nicht zuletzt: holen Sie sich die unbedingte Rückendeckung der eigenen Partei.

Gerade habe ich gelesen, dass weitere Fanaktionen als Reaktion auf den Beschluss im Gespräch sind. Dabei stellt sich das nächste Problem: ein Einlenken von Verband und Politik ist wegen des damit verbundenen Gesichtsverlustes kaum denkbar. Das „nein“ steht im Raum!

Mein kleiner 7-jähriger Sohn hat mich übrigens unlängst gefragt, warum er bei Spielen seines heißgeliebten Kaiserslautern abgetastet wird. Aber für einen Appell an die Vernunft ist es in der laufenden Debatte wohl zu spät…obwohl er es aufregend findet…

 

Geschrieben vom Scotwork-Team


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